Warum Hormone vor Osteoporose schützen


Viele Frauen in den Wechseljahren haben Angst Hormone gegen den Knochenschwund (Osteoporose) zu nehmen. Dabei ist zu überlegen, ob eventuelle Risiken nicht von den Vorteilen einer Hormonersatztherapie aufgewogen werden.


Ca. 6 Millionen Menschen in Deutschland leiden an der Knochenschwundkrankheit Osteoporose. Dabei sind hauptsächlich Frauen nach den Wechseljahren betroffen. Das Fatale an diesem Problem:
Stürze, die gesunde Knochen mit Leichtigkeit verkraften, können bei Osteoporose-Patienten zu schweren Brüchen führen.

Um der Osteoporose vorzubeugen, hilft eine calciumreiche Ernährung mit Milchprodukten. Über Darm, Niere und Haut verlieren wir täglich ca. 300 mg. Um diesen Verlust auszugleichen, brauchen Erwachsene 1000 mg Calcium täglich. Der Bedarf liegt sogar bei 1500 mg täglich in Zeiten von Wachstum, Schwangerschaft, Stillzeit und bei Frauen in den Wechseljahren, die keine Hormonersatztherapie erhalten.

Eine wichtige Rolle für weitere sinnvolle Vorbeugemaßnahmen spielt Vitamin D3. Dieses benötigt der Körper, um Calcium über den Darm aufnehmen zu und in die Knochen transportieren zu können. Fehlt Vitamin D wird der Knochen weich. Normalerweise stellt der Körper selbst genügend davon her, indem die Haut regelmäßig Sonne bekommt. Allerdings ist eine medikamentöse Vitamin-D-Zufuhr in dunklen Wintermonaten sinnvoll, oder für jemanden, der sich wenig im Freien aufhält oder der seinen Bedarf nicht über die Nahrung decken kann. Zudem gilt: Wer sich viel bewegt hat einen besseren Schutz vor Osteoporose. Durch Bewegung hat der Körper ausreichende Muskelleistung, um die Knochen stabil zu halten.

Nach den Wechseljahren empfiehlt sich eine Hormonersatztherapie, da diese besonders gut vor Knochenschwund schützt. Dabei werden Östrogene verwendet. Diese sind Teil des Knochenstoffwechsels. Ihre Aufgabe ist es, den Knochen vor übermäßigen Abbau zu schützen. Leider produziert der Körper nach den Wechseljahren weniger Östrogen, das allerdings nicht ausreichend ist. Jetzt kann eine Hormonersatzbehandlung mit Östrogen das Entstehen einer Osteoporose verhindern.
Bei Präparaten, die nur Östrogen enthalten, besteht die Möglichkeit eines übermäßigen Wachstums der Gebärmutterinnenschleimhaut. Deshalb ist eine Kombination mit zusätzlichen Gestagenen sinnvoll. Östrogene können vom Körper aufgenommen werden in Form von Tabletten, Spritzen, Pflaster oder Gel. Gestagene sind in der Regel Tabletten, aber es gibt auch Kombinationen von Östrogenen und Gestagenen als Pflaster.

Die Hormonersatzbehandlung ist das geeignete Mittel für Frauen, die einerseits typische Wechseljahrsbeschwerden wie Unruhegefühl, Schlafstörungen, Schweißausbrüche, Hitzewallungen und Depressionen lindern wollen. Andererseits kann diese Therapie auch Spätfolgen wie Osteoporose und wahrscheinlich auch Herzinfarkt vorbeugen. Leider nimmt nur ca. jede 4 Frau nach den Wechseljahren für längere Zeit Hormonpräparate, wie es zur Vorbeugung von Spätfolgen notwendig ist.

Viele Frauen lehnen diese Hormongaben aus Angst vor Gewichtszunahme, Trombosen, Blutungen und Brustkrebs ab. Diese Ängste sind im wesentlichen unbegründet.
Studien bezüglich Gewichtszunahmen haben gezeigt, daß Frauen ohne Hormonpräparate übergewichtiger sind als Frauen mit Hormongaben. Die Frauen nehmen zu, weil sie mehr essen und sich weniger bewegen, also nicht wegen der Hormone.
Bezüglich Trombose haben Frauen mit Krampfadern ein Risiko, das ansteigen kann. Das Risiko ist aber auch hier als gering einzuschätzen.
Die Blutung kann durch eine Variation von Östrogenen und Gestagenen oft verhindert werden. Grundsätzlich aber der Rat: Blutung akzeptieren!
Beim Brustkrebsrisiko ist das Höchste Risiko das Alter. Darüber hinaus gibt es Hinweise, daß nach über zehnjähriger Hormoneinnahme das Brustkrebsrisiko ansteigt. Als besonders gefährdete Gruppe gelten Frauen, die erstens eine Mutter oder Schwester mit Brustkrebs in den Wechseljahren hatte, und zweitens selbst spät in die Wechseljahre kam oder niemals Kinder bzw. erst sehr spät geboren hat.

Wie Sie selbst sehen, ist der Einsatz von Hormonen grundsätzlich medizinisch vernünftig. Die Entscheidung ist individuell von Patientin und Arzt gemeinsam zu treffen.

Für Frauen mit erhöhtem Osteoporose-Risiko, ohne unter Wechselbeschwerden zu leiden und Angst vor Brustkrebs zu haben, gibt es seit einem Jahr eine Alternative - die sogenannte selektive Östrogenrezeptormodulation. Dieses Präparat enthält den Wirkstoff Raloxifen. Er reduziert die Brustkrebsgefahr deutlich und verringert die Gefahr von Knochenbruch, insbesondere im Bereich der Wirbelsäule. Bezüglich des Herzinfarktsrisikos findet derzeit noch Studien statt.

Ihr Apotheker

Jürgen Claus

P.S.: Unser nächstes Thema 'So bleibt Ihre Abwehr Sieger' erscheint am 1. des nächsten Monats.